Rappelphasen

was soll das sein?

Rappelphasen sind eine Zeit im Leben der Jungtiere, in der sie ihren Platz im Rudel suchen. Das Jungtier rebelliert, will plötzlich bestimmen, den Schlafplatz eines anderen haben, möchte dem Chef nicht mehr den Weg frei räumen, wünscht sich, dass die anderen ihm Respekt zollen. Aber wie soll er das alles durchsetzen? In dieser Zeit muss er lernen, sozialverträglich seine Wünsche zu vertreten.

Er muss auch lernen, dass vielleicht ein anderer Bock stärker ist als er. Dies zu akzeptieren, fällt manch einem Jungtier schwer. Und begreifen sollte er unbedingt, dass er mit der Rebellion gegenüber einem anderen Tier aufhören kann, wenn ihm dieses den Respekt zollt.
Diese Rappel-Lern-Phasen dauern individuell lang an, wie bei uns Menschen fügen sich einige schneller in das Zusammenleben als andere, haben einige größere Ziele oder einen steinigeren Weg.

Wenn Halbstarke Sozialverhalten lernen

Chefschweinwechsel wegen einem Rappler

Max's 1. Rappelphase inklusive Eifersucht

Im November 2002 kam Mäxchen in die 1. Rappelphase. Etwa zur gleichen Zeit zog Baby Schach ein. Dadurch kamen zwei Auslöser für Rangstreitigkeiten zusammen. In der Rappelphase beginnen die Babieböckchen, die nun bereits an Körpermasse und Selbstbewusstsein zulegten, ihren Platz in der Gruppe zu suchen. Sie wollen die rangniedrigste Position im Rudel verlassen, in der Folge aufsteigen. Aber ein Neuzugang kann diese Rangdiskusission jederzeit ebenfalls auslösen, weil ein untergeordnetes Tier hier seine Chance sieht, um zu dominieren. Das Chefschwein wird gefordert. Hier ein paar Fotos vom Kampf Max (braunschwarz) contra Chef bzw. Erziehungsberechtigtem Dumpfbacke.

Lautstark durch das Gehege jagen, ist noch üblich. Drohen auch.

Also noch mal drohen. Dann gejagt.

Dann geht das Beißen los. Kleine Wunden heilen von allein und machen noch nichts. Falls das hier noch nicht reicht, um den anderen zu unterwerfen...

...kann es hart werden. Denn wenn keiner nachgibt, werden die Böcke sich gegenseitig anspringen und ineinander verbissen durch das Gehege kugeln. Dabei entstehen jedoch selten und wenn nur oberflächliche Verletzungen. Es sieht schlimmer aus, als es tatsächlich ist.
Sollten die Kämpfe jedoch länger als etwa 10 Tage dauern oder die Rivalen stark abnehmen, ist eine Trennung angezeigt. Da Max und Dumpfbacke nach 17 Tagen noch nicht geklärt hatten, baute ich einen Trennzaun ins Gehege. Max verbrachte die nächste Zeit mit Schach allein.

Max wurde anschließend kastriert und sollte mit Weibchen leben. Er entschied anders. 7 Wochen nach der Kastration, an dem Tag, an dem wir seine Mädels holen wollten, brach er bei Dumpfbacke ein und vertrug sich. Seit dem lebten alle wieder zusammen.

1. Rappelphase Jean-Claude Schach

ich trüb kein Wässerchen

Fotos würden hier nicht aussagekräftig sein. Ein Film müsste her. Es gab keinen Kampf jedoch eine lange Flucht. Aus dem lieben, allseits verträglichen Babiebock Schach wurde ein ewig jagender Rappler. Er jagte seinen Ex-Chef Dumpfbacke monatelang. Dieser zog sich zurück, übergab den Chefsessel an Max. Ihm gegenüber zeigte Schach Respekt, Schlawiner ließ er in Ruhe, nachdem er ab und zu einen Nasenstüper erhielt, wenn er sich daneben benahm. Nur Dumpfbacke musste herhalten. Dieser wurde depressiv. J-C Schachs Rappelphase nahm kein Ende, weil es keine Klärung gab. Dumpfbacke hätte sich ihm stellen müssen, lief jedoch davon. Erst die Trennung brachte die Lebensfreude zu Dumpfbacke zurück. Für Schach dauerte die damit erreichte Auszeit 3 Wochen, dann begann bereits seine 2. Rappelphase, in der er Chefschwein Max absäbelte. (siehe unten)

Ich trübe doch kein Wässerchen!

Rottes 1. Rappelphase

Diese war eher ein Versuch, den Schach binnen Sekunden beendete. Ein einziges Mal versuchte Rotte sich gegen Schach zu wehren. Woraufhin sich Schach drohend aufbaute, Rotte von vorn und hinten ausgiebig bestieg und die "Phase" bzw. kurze Auflehnung im Keim erstickte.

Max' 2. Rappelphase

Mäxchens zweite Rappelphase lebte er nicht. Aus der ersten blieb sein Respekt vor Dumpfbacke bestehen, Schlawiner hatte sich ihm untergeordnet und J-C Schach war noch ein Kleinschwein am Beginn der eigenen 1. Rappelphase. Max forderte zum gegebenen Zeitpunkt (8. bis 10. Lebensmonat) keine Karriereverhandlungen. Er war selbstbewusst und stark, akzeptierte Dumpfbacke als Chef und die anderen friedlich als Untergebene, an denen er keine Rechte hatte. Es ist einfach nichts bemerkbares passiert. Womöglich hat er in unserer Abwesenheit mal die Schnauze gehoben statt gesenkt, es aber dann gleich wieder aufgegeben. Wir bemerkten keinen Zoff, es gab keinerlei Schrammen.

Jean-Claude Schachs 2. Rappelphase

J-C Schach (vorn) auf Konfrontationskurs

J-C Schachs zweite Rappelphase mit etwa 9 Monaten wurde extrem. Chefschwein Max (1 Jahr) floh panisch, wodurch seine Verletzungsgefahr massiv stieg, da Geländer und Absperrungen für ihn irrelevant wurden.

Schach hingegen verbot allen anderen das Fressen. Die Situation führte zu drastischen Gewichtsverlusten, weswegen Schach die 4er Gruppe verlassen musste. Er kam zu Rotte, dessen Gesellschafter Dumpfbacke in die Gruppe zurückkehrte. Danach lebte Schach mit Möhrwin, da er und Rotte füreinander nur Abneigung übrig hatten.

Für den Fall der dauerhaften Unverträglichkeit wurde Schach kastriert. Als die Gemeinschaft mit Möhrwin kippte, da Schach hier einen Stärkeren vor sich hatte, aber trotzdem keine Ruhe gab, bis es Möhrwin zuviel wurde, bekam er Furia. Dieser Bock war eindeutig nicht bockgruppentauglich. Für die Mädels jedoch war er ein Gewinn, er schlichtete Streit, umwarb sie, er war präsent.

Möhrwins 2. Rappelphase

Diese äußerte sich darin, dass Möhrwin täglich 3 mal stänkern ging. Am liebsten stänkerte er mit Chef Max, sie klapperten sich an, seitelten, selten sprangen sie sich an. Nach einer Minute war oft wieder Ruhe. Gegenüber Dumpfbacke ging Möhrwin Zähneklappern, verschwand aber, wenn dieser reagierte. Schlawiner vertrieb er von seinem Ruheplatz, nutzte diesen jedoch, um selbst unsichtbar zu ruhen. Wenn er sich aggressiv verhielt, wies Schlawiner ihn kurz aber wirksam zurecht, obwohl Schlawiner sich beinahe gleichzeitig auch unterwarf. An einem Tag hat irgendwer (Max?) Möhrwin die Lippe gespalten und sie musste genäht werden. Da es jedoch keine auffallenden Aggressionen gab, beließ ich die Gruppe, wie sie war. Außer einigen oberflächlichen Schmarren entstanden vorher und nachher keine Verletzungen. Die Entscheidung nach dem Lippenriss Möhrwin in der Gruppe zu belassen, konnte ich nur treffen, weil ich alle Beteiligten kannte, auch ihr Verhalten in agressiv- stressigen Situationen und ihnen vertraute. Die Rappelphase dauerte mehrere Wochen. Zum Ende hin ging Möhrwin statt 3 mal täglich nur noch alle 3 Tage stänkern.

Rotte Wumm's 2. Rappelphase

Kleinere Aufmüpfigkeiten probierte er gegen Chefschwein Max, aber gab eher Fersengeld. Den nicht dominanten Schlawiner hingegen bedrängte er häufiger, trotz dessen altersbedingter Ungelenkigkeit kam er aber nicht durch.

Erst mal herum pöpeln.

dann bissel stänkern

natürlich vorsichtig

ups, der kann Judo

Hey, hey, war nicht so gemeint.

Chefschweinwechsel

Im Februar 2003 trat Jean-Claude (5 Monate) in die erste Rappelphase ein. Chefschwein Dumpfbacke mochte seinen erzieherischen Pflichten nicht nachkommen. Dadurch bekamen wir die Situation, dass Schach Dumpfbacke dauernd attackierte und nur von Max dominiert wurde, Max erkannte jedoch Dumpfbacke als Chef an. Nach einiger Zeit zog Dumpfbacke sich zurück und übergab das Zepter in friedlichem Einverständnis an Max. Max machte dem Rappler daraufhin Feuer unterm Po, so dass Schach anerkanntes Sozialverhalten lernen konnte. Dumpfbacke und Max tolerierten sich. Max zeigte weiterhin Respekt vor Dumpfbacke, aber keiner der beiden forderte vom anderen Unterwerfung. Es kam zur Revierbildung innerhalb des Geheges.

Novella Calow - www.salatgurken.net