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Meerschweinchen Verstehen * Pflegen * Versorgen

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Kommentierte Zitate

"Mit Erreichen der Geschlechtsreife verbreitet der Bock einen strengen Geruch, der aber gemildert wird, wenn Sie das Tier kastrieren lassen." (Seite 16)

Ah ja, sie stinken also? Komisch, dass alle unsere 6 Böcke Ausnahmeerscheinungen sein sollen, denn die riechen nach Heu oder Gras, worin sie am liebsten liegen. Die Reinigung einer verstopften Perinealtasche allerdings stinkt fürchterlich und sie bildet sich nach der Kastration etwas zurück. Vielleicht ist das gemeint? Aber nein, das betrifft ja die Reinigung einer krankhaft verstopften Drüse und nicht den Alltag.
Im Gegenteil kann ich aus Erfahrung sagen, dass die Salatfresserchen eher nach Urlaub auf dem Land duften.

"Zwei alte Männchen werden sich immer bekämpfen, auch nach der Kastration, wenn diese erst nach der Geschlechtsreife erfolgt." (Seite 16)

Das "immer" hätte die Autorin besser weggelassen. Die Vergesellschaftung erwachsener Böcke kann durchaus funktionieren. Wichtig ist, dass beide Böcke vor dem 9. Lebensmonat das Verhalten gegenüber Geschlechtsgenossen erlernen konnten, damit sie wissen, wie man einen Kampf beendet und sich unterwirft. Weiter ist der Charakter der Tiere wichtig und natürlich die individuelle Sympathie füreinander. Sind beide Böcke sehr dominant, funktioniert es nicht. Wenn allerdings die Voraussetzungen stimmen und auch genügend Platz vorhanden ist, um sich, wenn nötig, aus dem Weg gehen zu können, kann die Vergesellschaftung erfolgreich verlaufen. Echte Freundschaft nicht ausgeschlossen.

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"Nur wenn Sie sich intensiv um das Tier kümmern können und nicht den ganzen Tag wegen Berufstätigkeit außer Haus sind, fühlt es sich auch allein wohl." (Seite 15)

Auch wenn man den ganzen Tag daheim ist, braucht ein Meerschweinchen immer einen Artgenossen. Oder können Sie brommseln, quieken, 24h am Tag zur Verfügung stehen (Einkaufen gehen ist dann natürlich verboten, Kino, Theater, Kneipe oder bei Kindern Schule und Spielplatz ebenso) und kuschelnd mit dem Schweinchen schlafen? Haben Sie das gesamte soziale Repertoire von Meerschweinchen intus?

"Ein einzelnes Tier ist für ein Kind, das sich einen Spielkameraden wünscht, geeigneter. Es wird schneller zahm, und das Vertrauen, das sich zwischen ihm und dem Kind als Partner aufbaut, ist dauerhaft." (Seite 15)

Klar doch, Meerschweinchen brauchen Gesellschaft zum Leben! Werden sie durch Einzelhaft gezwungen, einen Menschen als Partner zu wählen, müssen sie viele Ängste ausstehen. Denn Menschen gehen fort. Wie war das: Schule, Spielplatz, Freibad ...
Beschäftigt man sich mit seinen 2, 3 oder mehr Meerschweinchen, werden auch diese Vertrauen fassen, auf freiwilliger Basis sogar und individuell verschieden.

Stichwort: Kinder "Für Kinder sind Meerschweinchen ideal, denn sie bringen alle Voraussetzungen mit, die sich diese bei Tieren wünschen. Sie sind gesellig, mögen gern gestreichelt werden ..." (Seite 21)

Gruslig.

"Zwei Weibchen vertragen sich auf jeden Fall sehr gut." (Seite 15)

falsch

Meerschweinchen sind Charaktertiere. Wenn zwei sich nicht mögen, mögen sie sich nicht und dabei ist es völlig egal, ob es sich um Männchen oder Weibchen handelt. Wenn zwei Mädels sich ständig streiten, kann man versuchen, einen Kastraten als Streitbremse dazu zu setzen. Manchmal klappt das und die beiden vertragen sich etwas besser.

Die in diesem Buch empfohlenen Käfiggrößen bezeichne ich als Massengrab.
"Der Käfig sollte mindestens eine Fläche von 40 x 80 cm haben ... Für zwei oder mehr Meerschweinchen muß der Käfig entsprechend größer sein, mindestens jedoch 80 x 80 x 45 oder noch besser 100 x 40 x 35 cm ..." (Seite 44f)

Zum Wohlfühlen und Tollen ist pro Nase eine Fläche von 0,5 m² nötig, wenn sehr viel Auslauf (minimum 8 Stunden) gewährt wird, eventuell 0,33 m². 40cm x 80 cm ergibt eine Grundfläche von 0,32m² - für wieviele Tiere? Dazu fällt mir ein:

Abschweifung

Karl Behrendt, ein Fast-Namensvetter schrieb übrigens im Jahre 1951 über die Größe von Meerschweinchen-Boxen:

"Der Raum wird so unterteilt, daß er möglichst 2qm große Abteile ergibt."

Na das war ein Platzangebot? Hier ging es freilich um Zucht. Aber weiter hinten im Text steht, dass so eine Gruppe 5 bis 8 Tiere umfasste. Bei 8 Tieren kommen wir dann immer noch auf 0,25m² pro Tier. Wenn man sich jetzt überlegt, dass es sich um einen Zuverdienst in dieser Zeit handelte, wir hingegen Liebhabertiere halten, sollten uns heutige Käfigmaße (60 Jahre später) beschämen.

Ideen hatten sie damals auch ganz nette. So beschreibt Herr Behrendt z.B. eine Stallung, die aus Weinfässern gebaut wurde.

Zitat stammt aus: K. Behrendt, Das Meerschweinchen. Lehrmeister-Bücherei Nr. 698, Philler-Verlag (1951)

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[Novella Calow]