Brei und Diät

Päppelbrei

Päppeln oder Zwangsernähren?

Päppeln bedeutet, das Meerschweinchen kann kein Futter aufnehmen, möchte aber gern. Päppeln bedeutet, das Meerschweinchen frisst den Brei freiwillig. Es gibt keinen Zwang. Dabei ist es egal, ob man aus der Spritze oder dem Napf füttert.

Zwangsernährung bedeutet, das Meerschweinchen will kein Futter aufnehmen, verweigert auch den Brei, er muss mit sanfter Gewalt ins Schwein gebracht werden. Hier müsst ihr ganz vorsichtig sein. Habt ihr keine positive Prognose vom Tierarzt, tut dies dem Schweinchen nicht an. Es weiß besser als ihr, was ihm gut tut im Augenblick. Es weiß nur nicht, ob es morgen anders wäre.

Bei reiner Brei-Ernährung sollten 6 ml alle 2 Stunden im Schweinchen landen, manche sprechen von 1 ml, das reicht nicht. Bei maximal 18 ml sollte der Halter die Mahlzeit beenden. Beides sind Richtwerte, da es auch auf den Brei ankommt und viele andere Faktoren. Auf den meisten Packungen steht, wieviel ein Meerschweinchen täglich aufnehmen soll.

Spritze für Brei

Die Hersteller der Breiprodukte stellen auch Spritzen her, mit denen gepäppelt werden kann. In diese gehen oft bis zu 10 ml Brei rein. Spritzen fangen jedoch nach kurzer Zeit an, nicht mehr so gut zu rutschen, so dass eine Dosierung der Happen schwierig wird. Kurzzeitige Abhilfe kann man hier mit Speiseöl (Sonnenblume, Raps) schaffen. Der Stempel der Spritze wird mit einem Tropfen benetzt, dann rutscht es wieder.

Wir nutzen 1 ml Spritzen wie abgebildet. Die Tülle schneiden wir mit einem scharfen Küchenmesser ab, dann feilen wir den Rand mit einer Nagelfeile etwas ab, bis dort keine Kanten mehr zu fühlen sind, die Lippen oder Schleimhaut verletzen könnten. Das geht schnell und ist unkompliziert. Die Spritzen gibt es recht günstig in größeren Abpackungen im Internet, aber auch einzeln in der Apotheke.

Herbi Care, RodiCare und Critical Care auf einem Bild vereint

Critical Care, RodiCare, Herbi Care Plus und Co.

Geschmäcker sind verschieden und glücklicherweise hat man mittlerweile die Wahl. Was das gerade erkrankte Tier mag, muss man probieren. Die meisten Brei-Hersteller führen 30g Beutelchen und mit denen kann man gut testen. Für Erkrankungen, bei denen die Mundschleimhaut verletzt oder entzündet ist, sollte man die Dental-Version der entsprechenden Breisorte verwenden. Diese ist feiner und tut dadurch weniger weh.
Wenn ein Tier krank wird und man nur einen Brei da hat, der ihm absolut nicht schmeckt, dann kocht und püriert Möhren und fügt sie dem Brei zu oder kauft ein Babygläschen Möhren. Damit geht es meist etwas besser. Unter Geschmacksvariationen gibt es mehr Tipps dazu. Wenn die Päppelphase länger dauert, muss man aber andere Breisorten probieren, damit das Fressen nicht zusätzlich geschmacklich zur Qual wird.

Geschmacksvariationen

Wir überbrühten gehackte Kräuter z.B. Dill und nutzten den Sud zur Zubereitung von Brei aber auch als Getränk für den Kranken. Da Meerschweinchen ihr Heu in der Regel gern mögen, haben wir auch daraus schon Tee bereitet. Eine Flüssigkeit, die richtig weggeschlürft wurde. Je nach Leibspeise des Meerschweinchens lässt sich auch immer etwas machen.

Dumpfbackes Lieblingsrezept

Mittlerweile etwas historisch, aber als 1. Hilfe, wenn man keinen Brei da hat, immer noch gut geeignet. Anno dazumal gab es nur Critical Care und Dumpfbacke hat es gehasst.

Paeppelbrei

Die Böller in Tee einweichen bis sie breiig sind. Überschüssige Flüssigkeit abschütten und die anderen Zutaten unterrühren.
Von Insulin-Spritzen ohne Nadeln, die Plastikspitze abschneiden, die scharfen Kanten mit Küchenmesser oder Nagelfeile entfernen, Breichen einfüllen und ab damit ins Schwein. Wenn das Tier noch alleine fressen mag, aber z.B. durch Zahnfehlstellung, gerade erst erfolgtes Zahnkürzen Schwierigkeiten mit fester Nahrung hat, kann man das Breichen im Napf anbieten.

Diät

Diäten sind in der Regel einfach umzusetzen. Je nach Erkrankung bekommen die Tiere eine andere Futtermischung, was zu ihrem Wohlbefinden beiträgt. Sieht man einem Tier Unwohlsein an, aber man kann weder selbst sagen, was los ist, noch findet der Tierarzt wirklich einen Grund, ist es günstig, dem Tier ein breites Angebot auch an frischen Heilkräutern anzubieten. Der Instinkt wird dann dafür sorgen, dass das Tier sich die passenden Sachen holt. Beobachtet man dann genau, ist es eventuell möglich eine Hinweis auf die Ursache des Unwohlseins zu finden.

Diät bei Blasengries/-stein

Der Gehalt an Calcium in Blasensteinen ist meist hoch, egal ob Struvit oder Oxalat-Stein (siehe dazu http://www.fraumeier.org/harnsteine.htm). Daher ist Achtsamkeit in Bezug auf den Calciumgehalt und das Verhältnis zu anderen Mineralien wie Phosphor und Magnesium notwendig. Auf der Ernährungsseite findet ihr dazu weitere Tipps.

Futter mit hohem Ca-Gehalt und daher verboten:

  • Luzerne
  • Brokkoli
  • Kohlrabiblätter
  • Möhrenkraut
  • Küchen-Kräuter
  • Löwenzahn ist ebenfalls calciumreich, durch seine harntreibende Wirkung hebt sich das jedoch auf.
  • Fenchel

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Fenchel enthält sehr viel Ca und führt bei unseren Tieren häufig zu Blasengries. Ihn darf man zusätzlich nicht mit Chiccoree verfüttern, weil die chemische Kombination eine wahre Bombe ist. Also schon Ernährungswissenschaften.

Durchspülen der Blase:
Ein Mix aus Birkenblättern, Brennessel, Heidekraut und Petersilienwurzel sowie Schafgarbe wirkt harntreibend. Achtet auf ausreichend Flüssigkeitszufuhr. Am besten alles frisch geben oder als Tee.

Diät bei Blähung

In der Regel sagt man: Heu und Wasser sonst nichts. Bei starken Blähungen auf alle Fälle einhalten! Wenn die Blähung etwas abklingt, kann man unterstützend Tymian und Dill frisch vom Kräuterbeet füttern. Ebenso Samen oder Tee von Fenchel und Kümmel. Dies hilft zusätzlich zum Entbläher wie z.B. Sab Simplex Tropfen. Tipp: Sab im Verhältnis 1:1 mit Fencheltee mixen, wirkt besser als pur. Zudem gibt es mit Spascopreel ein Krampflösendes Komplexmittel. Beide sind frei in der Apotheke erhältlich.

Diät bei Durchfall

Voraussetzung: Es ist bereits abgeklärt, woher der Durchfall kommt. Gerade Durchfall ist gefährlicher als wir immer annehmen. Die Diät kann nur unterstützen.

Heu, Heu und Heu. Dazu dann Johanniskraut und Himbeere als Tee (Wasser muss beim Aufgießen kochen) wirkt stopfend bei Durchfall. Leinsamen, Kümmel, Kalmus (Magenwurzel) und Fenchel unterstützen die Stuhlregulierung. Außerdem helfen Schafgarben- und Brombeerkraut. Wessen Meerschweinchen mag, der kann auch Pfefferminzblätter anreichen. Das alles darf frisch geerntet sein.

Diät bei Atemwegserkrankungen

Neben der ausgewogene Ernährung helfen Fenchel und Kümmel, frisch, als Tee oder als Samen. Zudem können Thymian, Lindenblüten, Brennnessel, Salbei und Liebstöckel eingesetzt werden. Schleimlösend wirkt Spitzwegerich.

Diät bei Infektionen

Bei Infektionen ist die ausgewogene Ernährung genauso wichtig wie die Unterstützung des Immunsystems. Allgemein stärkend und immer einsetzbar sind Brennnesseln. Frisch, angetrocknet, getrocknet. Außerdem Fenchelsamen, Beifuß, Kamille, Thymian und Löwenzahn.

Quellen

  • Hauptquelle ist die eigene Erfahrung, was man seit Kindertagen kennt, umgesetzte Tipps vom Tierarzt oder von anderen Haltern, die für gut befunden wurden.
  • Ganzheitliche Behandlung von Kaninchen und Meerschweinchen, Jörg Zinke

Novella Calow